­

Projektfinanzierung

Strukturierung geschlossener Fonds

Geschlossene Fonds lassen sich verschiedene Kategorien einteilen. So wird beispielsweise zwischen Fonds mit einem einzelnen, im Vorfeld der Emission feststehenden, Investitionsobjekt sowie Fonds mit einer sog. Blind Pool Konstruktion unterschieden.

Klassischerweise gehören Immobilien-, Schiffs- und Solarfonds zu den geschlossenen Fonds, die über ein einzelnes feststehendes Investitionsobjekt verfügen. Hier wird die Qualität des Fonds durch die Qualität des Anlageobjektes bestimmt.

Zu den klassischen Blind Pool Konzeptionen gehören Mezzanine, Private Equity und Immobilienhandels-Fonds. Hier ist die Erfahrung des Managements ein wesentlicher Erfolgsfaktor der Beteiligung.

Geschlossene Fonds können auch nach der steuerlichen Situation der Anleger unterschieden werden. Eine Differenzierung ist zwischen gewerblichen und vermögensverwaltenden Fonds üblich. Während in dem einen Fall der Anleger Einkünfte aus Gewerbebetrieb (§ 15 EStG) erzielt, bestimmt im anderen Fall aufgrund der steuerlichen Transparenz der Fondsgesellschaft das Anlageobjekt die Einkunftsart.

So kann beispielsweise die Strukturierung eines geschlossenen Private Equity Fonds darüber entscheiden, ob ein Anleger Einkünfte aus Gewerbebetrieb oder aus Kapitalvermögen (§ 20 EStG) erzielt, er also der Abgeltungsteuer unterliegt und den Sparer-Pauschbetrag (§ 20 Abs. 9 EStG) nutzen kann.

a) Immobilienfonds

Die Konzeption geschlossener Immobilienfonds erfolgt typischerweise als Betreibermodell. Die Fondsgesellschaft erwirbt Eigentum an einem Grundstück und verpachtet dieses anschließend. Der Schwerpunkt des Fondsprospektes, der bei der BaFin zu hinterlegen ist, liegt auf der Beschreibung der Fondsimmobilie sowie der Darstellung des Pächters. Hohe Kalkulationssicherheiten bieten geschlossene Immobilienfonds, wenn die Fondsimmobilie einen hervorragenden baulichen Zustand aufweist und im Zeitpunkt der Platzierung bereits ein langfristiger Vertrag mit einem bonitätsstarken Pächter besteht. Am Ende der Laufzeit des Fonds wird die Immobilie veräußert und die Fondsgesellschaft abgewickelt. Dabei können Anleger den Veräußerungserlös steuerfrei vereinnahmen, wenn der Immobilienfonds vermögensverwaltend strukturiert ist.

Exkurs: Immobilienhandelsfonds
Anders als klassische Immobilienfonds sind Immobilienhandelsfonds nicht auf feststehende Projekte beschränkt. Vielmehr dient das Anlegerkapital zum Erwerb einer Vielzahl von Immobilien. Nach deren Veräußerung können die Mittelrückflüsse für Neuinvestitionen genutzt werden. Der Fonds kann direkt das Handelsgeschäft betreiben. In diesem Fall partizipieren Anleger unmittelbar und in voller Höhe an den Handelserfolgen. Alternativ kann die Fondsgesellschaft auch die Finanzierung von Projektgesellschaften übernehmen. Dann wird durch den Vertrag (z.B. stille Beteiligung oder Nachrangdarlehen) die Höhe der Mittelrückflüsse an die Fondsanleger und auch das Risiko der Anleger bestimmt.

b) Erneuerbare Energie Projekte (Solarenergie, Bioenergie, Windenergie)

Umweltfonds dienen der Umsetzung einer Vielzahl von Investitionsvorhaben im Bereich der erneuerbaren Energien. Dabei werden in vielen Fällen Umweltfonds als geschlossene Fonds realisiert. Der Fondsprospekt ist vor Beginn des öffentlichen Angebots der BaFin vorzulegen. Zu den Umweltfonds gehören:

  • Solarfonds (Solarthermie- und Photovoltaikfonds)
  • Bioenergie- und Biogasfonds
  • Windfonds

Bei Projekten aus dem Bereich der erneuerbaren Energien erwirbt die Fondsgesellschaft Nutzungsrechte an Grundstücken, die für die Projektrealisierung (Errichtung von Solaranlagen, Biogasanlagen, Windparks) besonders geeignet sind. Auf diesen Grundstücken werden dann die Energieanlagen errichtet und der Anschluss an das Stromnetz hergestellt. Während der Nutzungsdauer der Energieanlage wird der erzeugte Strom eingespeist. Hier bietet das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) für zwanzig Jahre eine gesetzlich geregelte feste Vergütung.

Der Schwerpunkt bei der Konzeption des Prospektes liegt bei Umweltfonds auf der Beschreibung der eingesetzten technischen Anlagen (PV-Module, WE-Anlage usw. inkl. der Leistungsgarantien), der geplanten Lage des Objektes (vor dem Hintergrund der Ertragserwartungen sind Einstrahlungs- bzw. Windgutachten aufzunehmen) und der Darstellung der Gesamtfinanzierung.

c) Private Equity Fonds / Mezzanine Fonds

Bei Private Equity bzw. Mezzanine Fonds beteiligt sich die Fondsgesellschaft an einem oder mehreren Unternehmen (Zielgesellschaften) oder alternativ als Dachfonds an einem oder mehreren Mezzanine bzw. Private Equity Fonds, die ihrerseits Beteiligungen an Zielgesellschaften erwerben. Die jeweilige Fondsstrategie ist dem Prospekt zu entnehmen, der bei der BaFin zu hinterlegen ist. Dabei erfolgt bei Private Equity Fonds die Beteiligung an den Zielgesellschaften durch Vollgesellschaftsanteile. Hingegen werden bei Mezzanine Fonds Mezzanine Beteiligungsformen wie Genussrechte, stille Beteiligungen oder Nachrangdarlehen als Anlageform gewählt.

Bei der Konzeption des Verkaufsprospektes / Fondsprospektes liegt der Schwerpunkt auf der Entwicklung und Beschreibung der Investitionskriterien, der Darstellung des Know-hows der Entscheidungsträger sowie dem geplanten Investitionsablauf. Der geschlossene Fonds übernimmt die Auswahl der Zielunternehmen und die Überwachung der Einhaltung der Investitionskriterien. Er erzielt dabei laufende Einkünfte aus den Beteiligungen und Veräußerungsgewinne aus dem Exit. Daher bestimmen sich die Erfolgsaussichten eines solchen Fonds stark an der Auswahl der Zielgesellschaften. Ein weiterer Schwerpunkt der Strukturierung von Mezzanine und Private Equity Fonds liegt in der steuerlichen Konzeption. Unter Beachtung des sog. Private Equity Fonds Erlasses können Anleger statt Einkünften aus Gewerbebetrieb Einkünfte aus Kapitalvermögen erzielen, was zur Anwendung der Abgeltungsteuer sowie des Sparer-Pauschbetrags führt.

d) Leasingfonds

Über einen Leasingfonds werden kostenintensive Objekte wie Flugzeuge, Container oder Immobilien finanziert. Dabei fungiert der geschlossene Fonds als Leasinggeber und stellt das in seinem Eigentum stehende Objekt dem Leasingnehmer entgeltlich zur Verfügung. Schwerpunkt der Konzeption des Leasingfonds und der Darstellung des Fondsprospektes ist dabei die Ausgestaltung des Leasingvertrags und die steuerliche Strukturierung der Beteiligung. Der Prospekt, der bei der BaFin zu hinterlegen ist, hat zudem die rechtlichen Verhältnisse zwischen Leasinggeber (Fonds) und Leasingnehmer zu erläutern. Insbesondere die vereinbarte Laufzeit des Leasingvertrags und die Bonität des Leasingnehmers sind von wesentlicher Bedeutung für den Erfolg eines Leasingfonds.

e) Weitere typische Fondsfinanzierungen

Ferner werden geschlossene Fonds insbesondere in der Finanzierung von:

  • Filmen und PC-Spielen (Filmfonds und Gamefonds);
  • Infrastrukturen (Infrastrukturfonds);
  • der Verwertung / Vermarktung von Patenten und Lizenzen (Patentfonds);
  • von Landbanking;
  • Bildungsträgern und Kunst (Bildungsfonds und Kunstfonds)

eingesetzt.

Einleitung
Rechtliche Grundlage

Kanzlei-Profil GK-law.de

Laden Sie sich unsere Kanzlei Broschüre als PDF herunter oder bestellen Sie ein Exemplar kostenlos.

Das GK-law.de Rechtsglossar

Holding – Unternehmen, das nicht selbst produziert oder Dienstleistungen anbietet, sondern stattdessen andere Unternehmen verwaltet.

Juristische Fachbegriffe erklärt

Gündel & Katzorke
Rechtsanwaltsgesellschaft mbH

+49 551 789 669 0
Montag bis Donnerstag von 08:00 bis 18:00 Uhr
Freitag von 08:00 bis 16:00 Uhr